Montag, 1. Dezember 2008

Makroebene Spanien

Um einen besseren Einblick in das spanische Alltagsgeschehen zu geben, werde ich eine Zeitung zusammen resümieren. Und um Euch nicht zu verunsichern, dass ich alles vergessen habe von wegen wissenschaftlichen Arbeiten: hier die Quelle (Público (2008): Número Especial Primer Aniverario; Madrid; pp 16-44)


Gewalt gegenüber Frauen

Zzt. sieht man überall in den Straßen und in der U-Bahn riesige Plakate von wegen „Schlägst Du Deine Frau hast Du Deine Männlichkeit längst verloren“ und so. Liegt am neuen Gesetz halt genau dagegen. Ich war ja am Anfang meines Aufenthalts geschockt, wie normal dieses Problem hier genommen wird. Und wenn ich lese, dass nur 0,68% aller Übergriffe geahndet werden, kriegt man echt die Krätze..


Ausländerhass

Jeder dritte Spanier sieht die Ausländerquote als Problem an. In den letzten 5 Jahren hat sich die Anteil der Leute, welche die Ausländer als einer der 3 großen Probleme des Landes ansehen, von 15 auf 29% gesteigert. Das Problem ist glaub ich die Masse an Leuten, die in den letzten Jahren aus Südamerika rüberschwappt ist (hauptsächlich nach Murcia, wo Agricultura noch sehr verbreitet so wie in die ärmeren Gegenden um Madrid herum, Castilla y León usw), genau wie Afrikaner auf die Gran Canaren und Araber überhaupt. Dabei finde ich ja, dass sich die Ausländer hier sehr gut einfinden, können so ziemlich alle spanisch und leben halt ihre Sterotypen aus („Chinos“ verkaufen Billigware und Essen, Araber putzen, Afrikaner verkaufen illegale Ware. Ich frag mich ja immer, wieso nicht einer dieser Leute mal auf die Idee kommt, ein ordentliches FastFood Restaurant aufzumachen oder so…). Eine Studie, die ich leider nicht mehr hier hab, hat gezeigt, dass es um die spanische Wirtschaft eh sehr viel schlechter ohne die Ausländer stehen würde. Immer dieses Nationalgefühl an der falschen Stelle…


Gleichstellung der Geschlechter

93,4% der Männer verdienen mehr als ihre Frauen. Gut, so viel anders sieht das in Deutschland wohl auch nicht aus, nur dass hier in Spanien dieses Machogehabe noch immer bis in die oberste Managementebenen reinreicht. Eine tief verwurzelte Angst, den Frauen zu unterstehen. Komisch, dabei leben die Jungs hier doch bis 30 zu Hause und haben auch kein Problem, sich von ihrer Mutter bis dahin den Arsch wischen zu lassen. Aber schwupps aus dem Haus und schon den Dicken raushängen lassen, schon klar.


Jugendarbeitslosigkeit

25% der jugendlichen Spanier leiden unter Arbeitslosigkeit und Armut. Soll hier ziemlich schwierig sein, Arbeit zu finden. Ich habe ja eine Theorie: In Spanien besteht noch lange nicht das Modell vom bevorzugten jungen Mitarbeiter, sondern hier arbeiten auch noch die Ältesten als Kellner etc. Dazu kommt, dass sich viele meiner Mitstudenten gar keine Gedanken über Arbeit finden machen-können ja im Zweifelsfall weiter zu Hause wohnen bleiben. Und mit dem Geld könnten sie eh nix anfangen-auf meine Frage an die schon Arbeitenden, warum sie denn das Geld nicht nutzen um auszuziehen, kommt nur 1. dann hätte ich ja keine Geld mehr zum feiern und 2. dann müsste ich ja selbst kochen und waschen. Nagut, außerdem sollen hier die Wohnungskosten für Jüngere um die 80% ausmachen. Selbst Schuld, wenn man nur Einzelwohnungen in bester Lage sucht (die Spanier mit denen ich gesprochen habe meinten, dass sie nicht mit 3 Leuten wie ich zusammenziehen würden und auch sicher keine Wohnung finden könnten in der Preislage die ich gefunden habe). Bze


Verstädtung

In Spanien sind die fortschrittlichen und zukunftsträchtigen Regionen fast ausschließlich die Städte. Auf Zuwanderungstabellen sind Madrid, Barcelona, einige andalusische Städte sowie die Inseln fast die einzigen Punkte, wo keine Abwanderung in den letzten Jahren stattfand. Wird ein ziemliches Problem demnächst 1) in Unterstützung der wirtschaftsschwachen Regionen und 2) in der nachhaltigen Entwicklung der Städte (da weiß ich ja, was ich demnächst zu tun habe*g)


Sprache und Nationalgehabe

Dass Spanier nur spanisch können, stimmt gar nicht so. Nein, es gibt auch Leute die nur Euskera oder Catalán können*g 37,5% der Katalonier sprechen Spanisch wenn überhaupt als Zweitsprache, 18,2% der Leute sprachen Euskadi in der Kindheit. Und immer mehr wird, nachdem im Franquismus die Mehrsprachigkeit verboten war, diese „Privileg“, eine eigene Sprache zu sprechen, ausgelebt.


Bildung

Also wer hätte das geglaubt: nach der OECD ist Spanien eines der besten Bildungsländer Europas.. 45% schaffen das Abitur (etwas EU Durchschnitt). 40% der Studenten der höheren Bildung sind aus Arbeiterfamilien, was viel höher ist, als z.B. in Frankreich (19%) oder Finnland (29%). Der Geschlechterunterschied ist einer der geringsten in Europa. Aber um das mal zu relativieren: Die Ausgaben pro Kopf liegen etwa 20% unter dem EU Durchschnitt. Außerdem ist das spanische Bildungssystem angelegt, dass fast jeder einen Universitätsabschluss bekommt-denn die Stellen in Spanien werden zu über 80% an Uni-Leute vergeben. Ob man das gut findet oder nicht, weiß ich noch nicht.


Erneuerbare Energien

Spanien ist eines der fortschrittlichsten Länder wenn es um erneuerbare Energien geht: 28% der Nachfrage werden durch diese gedeckt und sind schon in der Lage, um die 40% zu erzeugen.

Toledo


Naechstes UNESCO Welterbe abgehakt. Und irgendwie werden sie dann doch irgendwann ein bisschen langeweilig. Besonders das hier in Spanien hochgepriesene Toledo fand ich jetzt nicht anders besser hoeher weiter als Segovia y tal. Hier gibts auch ein Alcázar, was aber kleiner und unspannender war als das in Segovia, eine Catedrale, die aber unspektakulaerer war als die in El Escorial, kleine Strassen, die aber nicht so urspruenglich waren wie in Granada, sowie natuerlich keinen Strand (Mallorca). Ich glaub ich muss langsam weg aus Spanien, um mal wieder excited auf Sightseeingtour gehen zu koennen*lach

2 Dinge fand ich dann doch sehr spannend: An diesem Tag entschied sich der Himmel in ein lila einzufaerben, wovon ich ja total fasziniert war (zum Leidwesen der anderen:)

Ausserdem soll aus Toledo Don Quijote kommen. Lustig nur, dass die Originalliteratur sagt, dass dieser aus "irgend einem Ort in La Mancha" kommt. Naja, man muss sich seine touristischen Hoehepunkte picken wie sie kommen, und wenns den Touris nicht auffaellt (wie mir an diesem Tag auch nicht) ist doch alles in Butter.. Da ja Don Quijote Weltliteratur ist und, ich war erstaunt, als erster Roman der Neuzeit bekannt ist (alles vorher soll wohl Ritterliteratur sein oder sowas aehnliches. Das Don Quijote die zeitgenoessische Literatur auf den Arm nimmt und in einem anderen Stil geschrieben ist, soll es wohl ein Roman sein).. Also, hier die Gute Nacht Geschichte:

Don Quijote ist ein kleiner Landadliger – dessen wahrer Name sogar dem Erzähler nicht genau bekannt ist.Dort verschlingt er einen Ritterroman nach dem anderen, bis er schließlich verrückt wird und glaubt, er selbst müsse sich als fahrender Ritter todesmutig in Gefahren stürzen, um das Unrecht zu bekämpfen. Seinem Pferd verleiht er nach vier Tagen intensivem Nachdenken den Namen Rosinante (Rocinante, span. Rocin „Gaul“, und antes „vorher“ bzw. „vorhergehend“) mit der Doppelbedeutung voher ein gewöhnlicher Gaul. Ein Bauernmädel macht er zur Gebieterin seines Herzens, die er nicht weniger wohlklingend Dulcinea von Toboso (von dulce „süß“) nennt.

So kommt es zu einem ersten Ausritt. Alles, was er sieht, bringt er mit dem Rittertum in Zusammenhang, obwohl dieses schon seit Generationen nicht mehr aktuell ist. Eine einfache Schenke wird in seinen Augen zu einer Burg, und die Dirnen, die davorstehen, werden zu Burgfräulein. Don Quijote rekrutiert dann einen "Schildknappen“, der ihn während der folgenden Abenteuer begleiten wird. Dieser heißt Sancho Pansa ( oder „Pansa“, was man als „heiliger Bauch“ verstehen kann), wohnt im selben Dorf und ist (zunächst) nicht der Hellste. In Ermangelung eines Pferdes begleitet er seinen Herrn auf einem Esel, den er gelegentlich mit dem Namen Rucio anspricht, was in einigen Gegenden Spaniens nichts anderes als „Esel“ bedeutet.Dulcinea ist die Angebetete von Don Quijote. Er hat sie zwar nie wirklich gesehen, aber da ein richtiger Ritter eine Angebetete braucht, braucht auch Don Quijote eine solche. Alles, was er tut, tut er für sie.Das bekannteste Abenteuer ist zweifellos das, in welchem der Held – trotz der eindringlichen Warnungen seines Knappen – anstelle von Windmühlen Riesen sieht und diese zu bekämpfen versucht, was natürlich nicht glücklich ausgeht. Dass er diesen Kampf verliert, schreibt er bösen Mächten zu. Der in seine Fantasien vernarrte Idealist kämpft auch gegen staubumwölkte Hammelherden, liefert sich mit rotweingefüllten Schläuchen einen „blutigen“ Kampf und erobert noch den „Helm des Mambrin“ – eine Barbierschüssel.

Das Ende kenne ich jetzt nicht-die Spanier meinten aber, dass er wohl sterben wuerde...Schluchz